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Reise zur Partnerschule in Knoxville, Tennesse

Aus dem Jahrbuch 2007, von Fr. Mildenberger-Thalheimer

Erster Besuch der amerikanischen Partnerschule

Kulturschock? Davon konnte keine Rede sein, als 14 Schülerinnen und Schüler der Klassen 9 a, b und c nebst Englischlehrerin am Nachmittag (Ortszeit) des 27. April 2006 sich nach über 9-stündigem Flug und aufreibenden Sicherheitskontrollen am JFK Airport in New York auf dem Weg ins Hotel in Manhattan befanden. Hotel Pennsylvania, ein Dorado für die Bigbands der 1930er Jahre - Glenn Millers Pennsylvania 6-5000 verewigte die Telefonnummer des Hotels -, ist heute verblichene Pracht: ein hektischer, lauter, riesiger Klotz direkt gegenüber von Madison Square Garden, vor dem stets mindestens 30 gelbe Taxis stehen und unzählige Polizisten, die ununterbrochen in Trillerpfeifen blasen. Eigentlich war klar, dass nach kurzer Auspackpause gleich die ersten Sightseeingtouren unternommen wurden: Times Square und die Aussichtsplattform des Empire State Building. Welch atemberaubendes Erlebnis, dieser Blick auf das nächtliche New York. Schnell, bzw. nicht schnell zurück ins Hotel -; unsere innere Uhr stand schon auf 4:30 morgens.

Der 28. April war gefüllt mit Stadtführung, Fähre nach Staten Island, vorbei an der Statue of Liberty, und einem stundenlangen Fußmarsch über Wall Street, Holy Trinity Church, Brooklyn Bridge, Metropolitan Museum of Art, Central Park und diesmal wirklich todmüde ins Hotel. Am nächsten Morgen zu Fuß zum UNHauptquartier, dort Führung durch alle Sitzungssäle. Dann Fußmarsch über St Patrick's Cathedral, die größte Kathedrale auf amerikanischem Boden, Trump Tower, Macy's ins Hotel, Koffer im Shuttle verstauen, Fahrt zum Flughafen und Abflug über Atlanta nach Knoxville, Tennessee. Zustand: knocked out!!

29. April, 24:00: Am Flughafen von Knoxville, an dem nie, gar nie irgend etwas Außergewöhnliches stattfindet, ist die Hölle los. Alle Gastfamilien und deren Freunde und die Freunde der Freunde sind auf den Beinen, halten selbstgemalte Willkommenstransparente hoch. ‚Welcome Jonas’, ‚Happy to meet you, Veronika’; alle sind total aus dem Häuschen, wir, die nüchternen Schwaben, verfallen in ungläubiges Staunen. Ja, wir sind angekommen, in den sprichwörtlich gastfreundlichen Südstaaten, im beinahe fanatisch religiösen Bible Belt der USA, und so wird es die folgenden zwei Wochen weitergehen. Überall werden wir freundlichst empfangen, bewirtet, von anderen Familien eingeladen zur Welcome Party, Pool Party, zum Sleepover zum Ausflug in die wunderschönen Ausläufer der Appalachen, den Smoky Mountains, sogar die sehr beschäftigten Köchinnen der Schulmensa lassen es sich nicht nehmen, uns gleich zwei Mal mit landestypischen Gerichten zu beglücken. Nein, nicht mit Fast Food, aber genau so üppig, fett und süß. Kein Wunder...! Der Höhepunkt dieser Sympathiekundgebungen ist erreicht, als wir alle beim Bürgermeister von Knoxville Urkunden als Ehrenbürger der Stadt feierlich überreicht bekommen.

Wir revanchieren uns im Rahmen unserer Möglichkeiten: Wir stellen uns und unsere Heimat der ganzen Schule bei der Mittwochsversammlung auf Englisch vor, wir organisieren eine German Night mit Kaiserschmarren, Linsen und Spätzle etc., wir spielen in der Fußballmannschaft mit, singen im Chor, spielen sonntags in der Kirche Orgel, und ständig sind irgendwelche Tandems unterwegs, die sich den nicht enden wollenden Fragen in den unteren Klassen der Junior School stellen. Täglich sind wir bis 16:00 Uhr in der Schule, nehmen am regulären Unterricht teil und machen so unsere Beobachtungen: was ist ähnlich, schlechter, oder gar besser als bei uns?

Gemeinsame field trips führen uns zu den raren Sehenswürdigkeiten der Stadt, zum ersten Fort, zur Basketball Hall of Fame, zur Besichtigung der Campus University of Tennessee. Die Schulleiterin lässt es sich nicht nehmen, nicht nur uns zu begleiten, sondern auch uns jedes Mal im schuleigenen Bus selbst zu chauffieren.

Wie immer, wenn etwas sehr schön ist, die beiden Wochen rasen vorbei. Zum Abflug am 12. Mai sind noch mehr Leute dabei als bei der Ankunft, Väter opfern einen ihrer wenigen Urlaubstage um uns zu begleiten, der Abschiedsschmerz ist ungeheuerlich und man kann sich nur schwer losreißen, wird gewaltsam losgerissen, da das Flugpersonal schon drängt. Good-bye, friends. See you in January.