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Abenteuer Bauernhof

aus dem Jahrbuch 2007

"Lernen mit allen Sinnen"

Vom Muhen der Kühe aufwachen, Weizenkörner durch Tasten von Roggen und Weizen unterscheiden können, in den Duft von frischem Heu eintauchen, das Rieseln von Getreidekörnern spüren können, den Geruch von Stall in sich aufnehmen und den Strahl selbst gemolkener Milch in das Auffanggefäß spritzen sehen, die Wärme der Tiere spüren, ihre Hingabe an die Menschen wahrnehmen, den Stich von Dornen und den Geschmack von frischen Beeren unmittelbar erleben... Schweiß auf der Haut, das Gefühl, eine Leistung vollbracht, etwas wirklich Nützliches getan zu haben, und sich müde unter einer erbarmungslosen Hitze der Wohltat einer kühlen, trocknenden Brise während einer Traktorfahrt hinzugeben.

Montagmorgen 9 Uhr vor der Mönchseehalle herrschte Abschiedstimmung. Eine erwartungsvolle Schülerschar brach auf zum Abenteuer „Schulbauernhof". Worauf hatten sie sich eingelassen, was würde sie erwarten? Zwölf Tage ohne Eltern, ohne Fernsehen, ohne Süßigkeiten (fast ohne). Angekommen in Pfitzingen; Gepäckchaos und die Neugier auf das Mehrbettzimmer stand den Kindern ins Gesicht geschrieben.

Nachdem die Schar die Zimmer im ehemaligen "Schlösschen" in Beschlag genommen hatte, konnten die Kinder gleich zur Tat schreiten. Jeder wurde mit einem Satz Bettwäsche ausgestattet und nun ging es ans gemeinschaftliche Bettenbeziehen. Nach dem Mittagessen gab es zuerst eine Einweisung und Führung durch die Leiterin des Schulbauernhofs, Fr. Rapp. Nach soviel Neuem war die anschließende Kuchenpause eine willkommene Gelegenheit sich etwas auszuruhen und auch auszutauschen; außerdem bot sie einen Vorgeschmack auf die vielen weiteren lekkeren Kuchen aus der Küche. ...Frisch gestärkt, konnten die Schüler nun endlich ihren Tatendrang in Arbeit umsetzen.

Die Stallgruppe des Tages versorgte unter Anleitung von erfahrenen Betreuern die Tiere: 6 Kühe, das Kalb, die Ziegen und Schafe, die Schweine mit ihren Ferkeln, sowie das Pferd, die Hühner und Kaninchen.

Die Hausgruppe machte sich unterdessen mit dem Gebrauch der Geschirrspülmaschine vertraut, in deren Bauch jeden Tag um die 1000 Geschirrteile blitzesblank gewaschen wurden. Studienfahrten 82

Nach der Bewältigung des Kuchengeschirrs machte sie sich an die Vorbereitung des Abendessens. Alle anderen Schüler gehörten zur Feld und Hofgruppe. Sie erledigten all die vielen verschiedenen Arbeiten, die auf dem Bauernhof gerade anstanden. Die Gruppen wechselten jeden Tag in ein anderes Aufgabenfeld und so hatte jeder Schüler die Gelegenheit, die Höhepunkte zu erleben wozu eindeutig die Stallarbeit und das Traktor fahren gehörten.

Ganz automatisch lernten die Schüler die Zusammenhänge zwischen Ackerbau und Viehzucht kennen. Dass es für Bauern keine Feiertage und Ferien gibt, weil die Tiere jeden Tag etwas zu Fressen brauchen und jeden Tag gemolken werden müssen. Welch ein Kontrast zum Unterricht im Klassenzimmer. Stillsitzen, schwitzen bei schwüler Hitze, sich konzentrieren auf all die vielen Unterrichtsfächer von Bio bis Mathe.

Hier beginnt die Schule morgens um halb sieben. Tiere füttern, misten, Kühe und Ziegen melken, die Milch in die Küche bringen oder zur Milchverarbeitung bereitstellen. Frühstücken. Danach Hühner füttern, Eier sammeln, Schweine und Kaninchen versorgen, Milch zu Jogurt, Quark oder Sahne verarbeiten. Dazwischen die Ziegen ausführen, Futter richten und immer wieder viel Zeit zum Schmusen, Streicheln und Beobachten. Mittagessen. Spaziergang mit dem Pferd mit Reitgelegenheit. Kuchenpause. Anschließend Tiere füttern, misten, melken. Feierabend halb sieben. Abendessen. 20 Uhr; Zusammentragen der Ereignisse des Tages mit der Klassenlehrerin. Jetzt beginnt die Freizeit, aber war nicht eigentlich der ganze „Arbeitstag" irgendwie „Freizeit"? ...Wir hatten großes Glück, Ende Juli ist Erntezeit und für die Landwirtschaft die Zeit den Lohn für die Mühen des Jahres einzufahren.

So konnten wir jede Menge verschiedene Beeren und Sauerkirschen ernten und naschen. Die Frage weshalb man Sauerkirschen und Süßkirschen unterscheidet, oder wie die Stachelbeeren zu ihren Namen kamen, war sofort jedem klar. Etwas schwieriger ist natürlich das Namensproblem bei Himbeeren und Brombeeren. Der Name Erdbeeren ist wieder jedem klar geworden, als wir uns zum Befreien der Erdbeeren von Unkraut, tief zur Erde bücken mussten.

Die Küchengruppe hatte mit ihren beiden Hauswirtschafterinnen alle Hände voll zu tun, die Ernteflut zu verarbeiten. Einen Teil der Früchte verarbeiteten sie direkt zu leckeren Kuchen oder Desserts. Was wir nicht essen konnten, verschwand in Gläsern oder den riesigen Tiefkühltruhen. Darüber freuen sich dann die Schülergruppen, die im Herbst und Winter kommen.

Die Hof- und Feldgruppe war emsig damit beschäftigt, Getreide und Stroh einzubringen. Das Schönste daran war, dass diese Arbeiten mit Traktor fahren verbunden waren. Auch Strohballen aufladen und stapeln war begehrt. Damit wir nicht allzu lang der Hitze ausgesetzt waren, wurden zwischendurch immer wieder Arbeiten in der Scheune angeboten, wie z. B. Studienfahrten 83 Ährensträuße binden. Danach konnte man sein Getreide bestimmt im Schlaf erkennen. Was für den Bauern ein Schatz ist, ein Wagen voll mit gedroschenem Getreide, das war für uns ein willkommener Spielplatz. Eigentlich war es Arbeit. Das Getreide nach Mutterkörnern, die giftig sind, abzusuchen. Welche Gaudi machte es, dabei sich und die Lehrer bis zum Hals im Getreide einzubuddeln und das Gewicht der Körner zu spüren.

Wann ist die richtige Zeit zum Ernten des Getreides? Dazu muss man den Feuchtigkeitsgehalt des Getreides bestimmen. Wie das gemacht wird, wissen wir jetzt ganz genau. Warum es für die Bauern so wichtig ist natürlich auch. Wenn es zu feucht ist, bekommt der Bauer weniger Geld, weil es noch getrocknet werden muss, wenn es zu trocken ist auch, weil es dann weniger wiegt und schließlich richtet sich der Preis nach dem Gewicht. Unser Getreide hatte genau den richtigen Feuchtigkeitsgehalt. Also ging es raus aufs Feld. An diesem Tag allerdings mit ziemlicher Unruhe. Der Wetterbericht hatte Gewitter angekündigt. Obwohl die Bauern dringend auf Regen hofften, war heute keiner so richtig glücklich. Das Getreide musste trokken eingebracht werden, sonst drohten Qualitätseinbußen.

Heute lag die Schwüle wie Blei auf den Feldern. Man war noch nicht lange auf dem Feld, da erlebte die Erntemannschaft hautnah wie schnell sich Gewitterwolken aufbauen können und mit welcher Macht die Regentropfen auf schwere Ähren einprasseln. Die Kinder konnten wohlgeschützt unter dem Erntewagen sitzend das Gewitter abwarten, die Ähren wurden teilweise arg in Mitleidenschaft genommen. Dass so ein Unwetter für die Bauern eine echte Katastrophe sein kann und nicht nur ein Abenteuer, erfuhren die Kinder aus erster Hand.

Neben den Tätigkeiten auf dem Schulbauernhof hatten die Kinder auch Gelegenheit Nachbarlandwirte zu besuchen und einen Tag mit ihnen zu arbeiten oder Verkäufer von landwirtschaftlichen Produkten auf den Markt nach Bad Mergentheim zu begleiten. Besonders beeindruckend, aber auch sehr nachdenklich stimmte die Kinder der Besuch des Ferkelmarktes in Niederstetten. Landwirtschaftlicher Alltag, die harte Wirklichkeit von Angebot und Nachfrage, die bisher nur Theorie aus dem Schulbuch war, bekam ein Gesicht. Die Wirklichkeit eines Schweinelebens und unsere Vorliebe für Grillwürste oder Schnitzel boten genügend Stoff für Konflikte und regten zum Nachdenken an.