Kabarettist Tilman Lucke am 05.11.09 am Mönchsee-Gymnasium
Ein Donnerstagmorgen wie jeder andere am Mönchseegymnasium in Heilbronn. Doch die Zwölftklässler warten nicht wie gewöhnlich auf ihre Lehrer, sondern auf den Kabarettisten Tilman Lucke. Der 1984 in Heilbronn geborene Student gehört zu den jüngsten Kabarettisten Deutschlands und wurde erst kürzlich mit dem Heilbronner Rombachstipendium ausgezeichnet.
Fröhlich betritt Tilmann Lucke den großen Musiksaal und legt gleich los. Bereits 2006 war er am MSG aufgetreten und fand schon damals, dass Schüler ein interessantes Publikum sind.
Diese lauschen auch bereits nach den ersten Akkorden des Eingangsliedes gespannt und sind beeindruckt, wie Lucke aktuelle Themen ironisch wiedergibt. Vor allem bei dem „Kinderlied für Ursula“ hat der junge Kabarettist viele Lacher auf seiner Seite.
Doch nicht nur Ursula von der Leyen, beinahe jeder Politiker der neuen Regierung wird von Lucke erwähnt. Der Kabarettist nimmt in seinen Liedern alles auf die Schippe, was Rang und Namen hat. So hätten die Mitglieder des Bundestages etwa nichts vom verkürzten Zivildienst, bräuchten sie doch selbst „betreutes Regieren“. Auch erinnere die Regierung an eine Art „Endlager“ für ausrangierte Politiker.
Ebenfalls in der Rolle des Oberstudienrats Schwämmle überzeugt Lucke. Der pedantische Gymnasiallehrer freut sich über den „sauberen Müll“ im Schwabenland und belehrt die Schülerinnen und Schüler über Rechschreibung, denn sie hätten von „Duden und Blasen keine Ahnung.“. Über den Norden Deutschlands erregt sich der Oberstudienrat auch, denn dort würde ein C zur Dehnung verwendet. Das sei wie „auf eine Schwangerschaft mit Sekt anzustoßen“. Ganz schnell wechselt Tilman Lucke vom breiten Schwäbisch zur Berliner Schnauze. Er lässt nichts aus, es scheint, als habe er für alle aktuellen Themen einen flapsigen Spruch parat. Es geht um Google, die Finanzkrise, Hartz 4 und den Klimawandel.
Auch die Kirche wird natürlich nicht verschont. Als Gott dankt der Kabarettist den Menschen, dass sie immer noch an ihn glaubten, obwohl er versehentlich auf den „Tsunami Knopf“ gekommen sei, aber er habe ihn einfach mal ausprobieren wollen. AIDS wird als „Kirchenkrankheit“ bezeichnet. Lucke gibt im anschließenden Gespräch zu, dass an kirchenkritischen Stellen seines Programms schon Menschen den Saal verlassen hätten, wenn auch selten.
Doch das junge Publikum am MSG lässt sich von Kritik dieser Art nicht abschrecken, sondern bewundert die Pointen und ironischen bis bissigen Texte des 25-Jährigen. Dass Lucke in Berlin studiert, hat nicht nur mit der Nähe zum politischen Geschehen zu tun. Auch ist dort die Dichte an Kabarettbühnen in Deutschland am größten. Der Student spielte bereits auf zahlreichen renommierten Kleinkunstbühnen und ist Mitbegründer des Berliner Studentenkabaretts „Neue Lache“ . Er sieht sich auch in Zukunft als Kabarettist und nicht als Lehrer, was früher sein Wunsch gewesen war. Und das glaubt man ihm gerne.
Luise Leyer, Klasse 12