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 „Nie wieder Krieg!"

 Historikerin berichtet über den Zweiten Weltkrieg

von Britta Dörfler

Am 11. Mai erlebte der Geschichte-Kurs von Frau Banghard-Jöst eine ganz besondere Stunde. Frau Margarete Dörr, seit ihrer Pensionierung freie Historikerin, besuchte unseren Kurs, um uns über den Alltag von Frauen und Kindern zur Zeit des Nationalsozialismus und des Zweiten Weltkrieges zu erzählen.

Und Margarete Dörr ist Expertin auf diesem Gebiet.

Für die drei Bände "Wer die Zeit nicht miterlebt hat - Frauenerfahrungen im Zweiten Weltkrieg und in den Jahren danach" führte sie über 500 Interviews mit Zeitzeuginnen. Das Engagement für die Belange der Frauen brachte ihr im Jahr 2000 den Titel "Frau des Jahres" ein.

Die meisten der Frauen, die den Zweiten Weltkrieg mitgemacht hatten, leben heute nicht mehr. Margarete Dörr betrachtete es daher als logische Konsequenz, auch deren Nachkommen zu befragen: "Ich dachte, man müsste auch wissen, wie die Kinder mit diesem Schicksal umgegangen sind." Erneut gewann sie über 500 Zeitzeugen, diesmal hauptsächlich aus den Jahrgängen 1930 bis 1940.

Was die Kriegskinder erzählten, die Auszüge aus ihren Tagebüchern und Briefen, Bilder und persönliche Fotos ergaben zusammen mit Dörrs historischer Einordnung ein fundiertes Zeitdokument: "Der Krieg hat uns geprägt - Wie Kinder den Zweiten Weltkrieg erlebten" - diese beiden Bände erschienen im Jahr 2007.

Besonders eindrucksvoll ist, dass die Kriegskinder darin selbst zu Wort kommen - das Porträt einer ganzen Generation.

Nach einer abschließenden Leseprobe konnten wir auch unsere Fragen stellen, die von Margarete Dörr auch gern beantwortet wurden.

Besonders ihre eigenen Erfahrungen während des Zweiten Weltkrieges interessierten den Kurs und so erzählte sie uns auch viel über sich selbst.

„Mein eigenes Schicksal ist glimpflich abgelaufen!", sagt Margarete Dörr über ihre eigenen Erlebnisse im Zweiten Weltkrieg. "Glimpflich" - das heißt in ihrem Fall: Sie hat Hunger gelitten, sie hat gefroren und sie hat Todesangst ausgestanden während der Nächte im Luftschutzkeller. Und sie hat ihren Vater verloren, der bei einem Bombenangriff auf Pforzheim ums Leben kam.

Aber: Sie hat den Krieg überlebt, ebenso wie ihre Mutter und ihre Geschwister.

Als der Zweite Weltkrieg ausbrach, war Margarete Dörr elf Jahre alt.

Im Rahmen der NS-Aktion "Heim ins Reich" siedelte sie mit ihren Eltern und Geschwistern 1940 als Baltendeutsche von Lettland nach Ludwigsburg um. Mit den einsetzenden Luftangriffen begann für sie eine Art Doppelleben: "Wir waren und blieben ja Kinder", erzählt sie heute. "Nachts saßen wir zitternd im Keller, tagsüber spielten viele Kinder, besonders Jungen, mit Bombensplittern."

Das schwäbische Ludwigsburg kam mit einer relativ mäßigen Zerstörung davon. Margarete Dörrs Zuhause wurde nicht getroffen, wohl aber das übernächste Haus.

Auf ihrem Schulweg lief sie an Bombentrichtern vorbei, sah Menschen, die unter den Trümmern begraben lagen.

Der Kampf ums Überleben wurde auch für sie zum schrecklichen Alltag.

Mit ihrer Arbeit will Margarete Dörr das oft jahrzehntelange Schweigen brechen, will das Schicksal der Kriegskinder endlich zum Thema machen. Denn nur wer die Schrecken des Krieges kennt, wird versuchen ihn zu vermeiden - davon ist Margarete Dörr überzeugt. Ihr größtes Anliegen lautet: "Nie wieder Krieg!" Durch ihre Werke hofft sie, diesem Ziel ein bisschen näher zu rücken.

Rückblickend kann man nur sagen, dass uns diese Geschichtestunde wahrscheinlich noch lange in Erinnerung bleiben wird. Wir möchten uns auch noch einmal bei Margarete Dörr für diese unterhaltsame und sehr interessante Stunde bedanken, die uns den Zweiten Weltkrieg auf eine so ganz andere Art und Weise hat sehen lassen.