Podiumsdiskussion über Feminismus im Mönchsee-Gymnasium
Schülerinnen leiten Diskussion über brisantes Thema
Unter dem Titel „Vormarsch der Frau-Realität oder Illusion“ fand am Freitag in der Alten Kelter eine Podiumsdiskussion über ein Thema statt, das dank der Familienministerin Schröder so aktuell wie seit langem nicht mehr ist. Es wurde jedoch nicht ausschließlich über Feminismus, sondern auch über die Rolle der Jungen als neue Bildungsverlierer gesprochen. Die zwei Oberstufenschülerinnen Selma Olbort und Mareike Seemann (Klasse 13) sprachen mit Wolfgang Armbrust, Grund und Hauptschullehrer, Susanne Bay, Gemeinderätin der Grünen, Annette Krüger, Vorsitzende der VHS Neckargartach und Werner Schrott, ehemaliger Vize-Chef der IG-Metall Neckarsulm. Zum 92. Jahrestag des Frauenwahlrechts wurde darüber gesprochen, dass der Feminismus zwar nicht weg sei, sich jedoch in seiner Ausprägung und Radikalität stark verändert habe. So sagte Annette Krüger, selbst Mutter von drei Kindern und halbtags berufstätig, man habe „vordergründig viel erreicht“, doch sei die Gesellschaft immer noch ein patriarchalisches System.
Das lückenhafte Kinderbetreuungsangebot, die Frauenquote und die Herdprämie, all diese Themen wurden besprochen und diskutiert. Doch letztendlich ging es vor allem um ideelle und kulturelle Fragen. Genetische Unterschiede zwischen Mann und Frau, Jungen und Mädchen. „Frauen würden die Geschicke der Welt verantwortungsvoller regeln“ - dieser Satz sorgte für Zündstoff in der Diskussion darüber, ob denn nun die Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen Erziehungssache oder genetische Grundlage seien. Viele Statistiken und interessante wissenschaftliche Exkurse der beiden Moderatorinnen sorgen hierbei für Bereicherung.
Susanne Bay wies jedoch auf eine Problematik hin, die vielen berufstätigen Müttern begegnet: „Man muss sich dagegen wehren als Rabenmutter bezeichnet zu werden oder sich selbst so zu sehen. Das ist doch Quatsch!“
Werner Schrott warf in die Runde, dass man wie bei allen Kämpfen um Gerechtigkeit nicht aufgeben dürfe, denn gesellschaftliche Veränderungen bräuchten „einen langen Atem“. Die immer noch erschreckend hohe Differenz zwischen den Gehältern von 23% im Durchschnitt einer Vollentlohnung sorge vor allem bei den Schülerinnen und Schülern für Verständnislosigkeit.
Doch woher kommt es, dass die Jungen in der Schule und später im Studium oft so viel schlechter abschneiden als ihre Schulkameradinnen? Sie werden oft als schwieriger, aggressiver und leistungsschwacher bezeichnet. Der Pädagoge Wolfgang Armbrust begründet dies damit, dass Jungen andere Bedürfnisse hätten und das Schulsystem nicht auf Individualität angelegt sei. Hierbei seien Mädchen oft unauffälliger und sozialer im Umgang mit ihren Mitschülern. Susanne Bay sagte dazu, Jungen protestierten einfach „öffentlichkeitswirksamer“, die Mädchen endeten dann später in Depressionen und Magersucht, weil sie nie etwas rauslassen.
Auch dass der Anteil der männlichen Erzieher und Grundschullehrer minimal ist, kann als Ursache für problematische Entwicklungen der Jungs gesehen werden. Armbrust sagte zu dem Problem der fehlenden Rollenvorbilder: „Männer verstehen Jungs oft besser und andersrum.“.
Nach einer zwar sehr harmonischen, doch anregenden und interessanten Diskussion kam man zu dem Schluss, dass vor allem das Schulsystem einiges an dem Selbstgefühl von Jungen und Mädchen ändern könne und dass sowohl Frauen als auch Männer dafür verantwortlich seien, dass die grundsätzliche Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern erreicht werden könne.
Luise Leyer